Pfarrer Jan Zechel im Gespräch- Ev. Kinderwelt Dinslaken

Bei der Kinderwelt wird die Zusammenarbeit zwischen den Kitas und Gemeinden groß geschrieben. Seit der Fusionierung der Familienzentren, Kitas und Tagespflegestellen zu einer Einheit, der Ev. Kinderwelt Dinslaken, im Jahre 2010 hat sich einiges in den Kitas getan. Jüngst konnten wir an der Ev. Kita Am Rotbach Richtfest feiern. Dort wird eine weitere Kita-Gruppe angebaut. Zu diesem Anlass sprach Isabel Uhlenhut – Öffentlichkeitsbeauftragte der Ev. Kinderwelt Dinslaken – mit Pfarrer Jan Zechel. Aber nicht nur der Umbau war Thema, sondern auch die Zusammenarbeit zwischen Kita und Gemeinde.

Isabel Uhlenhut: Herr Zechel, schön, dass wir Zeit für ein Gespräch gefunden haben! Anlass war ja der Umbau an der Ev. Kita Am Rotbach. Wie hat die Gemeinde die Pläne zum Erweiterungsbau denn aufgenommen?

Jan Zechel: Die Gemeinde hat die Erweiterungspläne sehr positiv aufgenommen. Zur Gemeinde gehören ja ganz selbstverständlich auch die Familien mit den Kindern und da wir von jeher sehr eng mit der Kita zusammengearbeitet haben, wurden die Pläne grundsätzlich begrüßt.

Isabel Uhlenhut: Grundsätzlich begrüßt?

Jan Zechel: Nun, die Gemeinde muss wegen des Anbaus auf Parkplätze und einen Teil des Kirchplatzes verzichten. Aber diese wurden tatsächlich in erster Linie an hohen Feiertagen benötigt. Für die normalen Sonntagsgottesdienste reicht der verbliebene Platz völlig aus. Viele Gemeindeglieder kommen sowieso mit dem Fahrrad. Insofern empfindet die Gemeinde die Kita-Erweiterung als Erweiterung mit Potenzial.

Isabel Uhlenhut: Welches Potenzial sprechen Sie da an?

Jan Zechel: Nun ja, wenn mehr Kinder unserer Kita besuchen, bringen sie wohl auch ihre Eltern mit. Und diese sind aufgrund ihrer konfessionellen Zugehörigkeit oft Glieder unserer Gemeinde.

Isabel Uhlenhut: Und Sie erhoffen sich aktiven Zuwachs?

Jan Zechel: Selbstverständlich! In unserem Stadtteil ist die Kirchengemeinde noch aktiver Bestandteil des täglichen Lebens. Das liegt bestimmt auch daran, dass wir so eng mit der Kita Am Rotbach und der Hagenschule zusammen arbeiten. Diese Zusammenarbeit hat eine lange Tradition und auch verschiedene Personalwechsel überdauert – zum Glück!

Isabel Uhlenhut: Da kann man wirklich sagen: Zum Glück! Wie steht es derzeit mit der Zusammenarbeit zwischen Ihnen und der Kita?

Jan Zechel: Die enge Zusammenarbeit – egal in welchem Setting – steht und fällt ja mit den Personen, die ihre Aufgaben natürlich auch immer wieder sehr persönlich gestalten. Frau vom Hofe-Hülser, die Kita-Leitung Am Rotbach, und ich arbeiten – wie gesagt – sehr eng zusammen. Es ist ja nicht mehr so wie früher, dass die Erzieherinnen im Umkreis gewohnt haben und deshalb ganz selbstverständlich ein Teil der Gemeinde sind. Jetzt haben sie teilweise weite Anfahrtswege und fühlen sich anfangs oft der Gemeinde nicht zugehörig. Um trotzdem ein enges und vertrauensvolles Miteinander aufzubauen, ist eine regelmäßige Zusammenarbeit essentiell.

Isabel Uhlenhut: Wie gestaltet sich denn so eine Zusammenarbeit ganz praktisch gesehen?

Jan Zechel: Wir planen immer wieder im Jahres- und Kirchenjahreskreis gemeinsame Gottesdienste, die teils als Familiengottesdienste in der Kirche, teils in der Kita selbst stattfinden. Hierbei werden die kindlichen Bedürfnisse aufgegriffen und umgesetzt. Die Kinder dürfen mitgestalten und mitmachen. So geht es immer sehr fröhlich zu. Die Familien werden natürlich auch eingeladen – zumindest, wenn nicht gerade Corona ist… – und wir machen auch keinen Unterschied zwischen evangelischen, katholischen, muslimischen oder Familien mit anderen Religionen.

Isabel Uhlenhut: Lernen Sie die Familien auch persönlich kennen?

Jan Zechel: Ja, auf jeden Fall! Ich nehme zB regelmäßig an Elternversammlungen in der Kita teil. Außerdem führen wir gemeinsam mit der Kita projektartige Angebote durch, zB in Richtung Waldpädagogik oder Schöpfungslehre, bei denen die Familien einbezogen werden. Wir möchten eine enge Bindung der Familien an die Gemeinde fördern, deshalb pflegen wir auch im Stadtteil eine besondere Willkommenskultur und sozialraumgebundene Arbeit. Wenn die Kinder sich wohlfühlen, tun es die Eltern in der Regel auch. Insofern findet auch ein reger Austausch mit allen infrastrukturellen Institutionen wie zB Grundschule, weiterführende Schule, Feuerwehr, Polizei, aber auch mit dem Einzelhandel statt. Unser Ziel ist es, eine Gemeinschaft zu pflegen, die für Stabilität und Zusammenhalt steht.

Isabel Uhlenhut: Und Ihre Rolle als Gemeinde?

Jan Zechel: Wir setzen bei den Kleinsten an, den Kita-Kindern. Wir freuen uns, wenn sie in unsere Gemeinschaft hineinwachsen und von unseren Angeboten profitieren. Wenn sie dann in die Schule kommen, geht das nahtlos weiter, denn wir arbeiten auch eng mit der Grundschule zusammen. Ebenso auch mit dem hiesigen Gymnasium. Die Kinder können ihre Anbindung an die Gemeinde in jedem Alter aufrecht halten und auch aktiv mittun. So kann eine wertvolle und konstante Bindung entstehen.

Isabel Uhlenhut: Macht sich das in den Gottesdiensten bemerkbar?

Jan Zechel: Wenn man’s genau betrachtet, schon. In den Hauptgottesdiensten am Sonntag hat man natürlich das gewohnte Bild: einige zig Leute, eher älteren Datums, verfolgen den Gottesdienst. Beim Familiengottesdienst aber sitzen da fast dreimal so viele Menschen. Damit wird klar: Wir erreichen aktiv alle Generationen und das ist ja auch unser Ziel.

Isabel Uhlenhut: Und die Kita als Bestandteil der Ev. Kinderwelt Dinslaken?

Jan Zechel: Diese Fusion zu einer Einheit, also der Ev. Kinderwelt Dinslaken als Träger für die Kitas, das war sehr gut! Bis dato betreute der Pfarrer oder die Pfarrerin ja auch noch immer aktiv alle Belange der Kita, von Inhalten, Personal über Finanzen etc. Das war einfach zu viel! Jetzt können wir als Pfarrer und Pfarrerin die Verwaltungsaufgaben abgeben und uns dafür sehr intensiv inhaltlich einbringen. Und das machen wir hier mit ganz viel persönlichem Engagement und hoffen, dass wir dadurch Menschen allen Alters fest an Kirche und Gemeinde binden.

Isabel Uhlenhut: Das hoffe ich auch und drücke Ihnen die Daumen! Vielen Dank für unser Gespräch!

Isabel Uhlenhut
Öffentlichkeitsbeauftragte Ev. Kinderwelt Dinslaken