„Klarheit bringt Klarheit!“ – Ev. Kita Fröbelstraße im Gespräch mit Pfarrerin Kirsten-Luisa Wegmann

Die Ev. Kinderwelt Dinslaken: ein Träger, 22 Kitas und Kindertagespflegestellen in sechs Städten und Gemeinden zwischen Duisburg und Dorsten. 22 Einrichtungen mit ganz unterschiedlichen Kindern und Familien und ebenso vielen Konzeptionen, die sich passgenau am jeweiligen Klientel orientieren. Was alle Kitas gemeinsam haben, ist die religionspädagogische Ausrichtung.

„Wir verstehen uns ganz klar als evangelisch“, erklärt Alexandra Gabler, die als Einrichtungsleitung in der Ev. Kita Fröbelstraße Anfang des Jahres das Ruder von der im Dezember in den Ruhestand gegangenen Annette Wessel übernommen hat, nachdrücklich. „Dabei ist die Pflege christlicher Traditionen ein wesentlicher Bestandteil unserer Arbeit.“ Bianca Rogon, stellvertretende Leitung und seit Jahren Fachkraft in der Kita, ergänzt: „In unserer Kita wurden christliche Rituale und Strukturen schon immer in den Alltag eingebunden. So findet zB seit Jahren am letzten Freitag im Monat ein Wochenabschlusskreis mit einem kleinen Gottesdienst in der Kirche statt. Auch die Schulkinder erleben ihren Abschied gemeinsam mit ihren Familien in der Kirche. Zu diesem Anlass wird auch die Gemeinde eingeladen.“

Nur 30% der Kinder, die die Kita besuchen, sind evangelisch getauft. Die übrigen 70% sind katholisch, muslimisch oder haben kein Bekenntnis. Wie geht die Kita damit um? Und wie versteht Kirsten-Luisa Wegmann, Pfarrerin im Dinslakener Seelsorgebereich Erlöserkirche Blumenviertel, Lohberg und Betsaal Bruch ihren Auftrag, die Kita bei religionspädagogischen Aufgaben zu unterstützen?

Kirsten-Luisa Wegmann wirkt offen, zugewandt und gradlinig, als sie ohne zu zögern antwortet: „Nur Klarheit bringt Klarheit. Was ich damit sagen will, ist, dass wir uns mit unseren Überzeugungen klar positionieren müssen. Fakt ist, dass die Bekenntnisse und Religionen sich unterscheiden. Immer nur zu betonen, dass es in allen monotheistischen Religionen nur einen Gott gibt und wir ja so viel gemeinsam haben, reicht nicht. Die verschiedenen Überzeugungen existieren nebeneinander und haben auch ein Recht dazu. Ein missionarisches Streben ist dabei völlig überflüssig. So wenig, wie ich überzeugt werden möchte, möchte ich überzeugen. Aber ich zeige, was und woran ich glaube und stehe jederzeit für Fragen zur Verfügung.“

In der Ev. Kita Fröbelstraße werden die christlichen Feste, die das Kirchenjahr mit sich bringt, gefeiert, wie sie fallen. Und sie behalten auch ihre ursprünglichen Namen. So gibt es kein Laternenfest, sondern St. Martin teilt seinen Mantel. Ganz selbstverständlich wird aber auch über das Zuckerfest, mit dem der Ramadan – der muslimische Fastenmonat – ausklingt, mit den Kindern gesprochen. „Wir feiern das Zuckerfest zwar nicht, aber aufgrund vieler muslimischer Kita-Kinder erklären wir die Hintergründe“, erläutert Alexandra Gabler. „So fühlen sich auch die muslimischen Familien wertgeschätzt und willkommen.“

Auch der gemeinsame Besuch der benachbarten Erlöserkirche wird von allen Kindern sehr begrüßt. Der hohe Innenraum, der auch im Sommer kühl bleibt, ist und bleibt ein beliebtes Ziel. Hier erleben die Kinder Pfarrerin Kirsten-Luisa Wegmann hautnah. In diesem Jahr stellt sich die Pfarrerin einer besonderen Aufgabe: Das Thema der Schulkinder ist „Hexen und Zauberer“. Es setzte sich in einer demokratischen Abstimmung der Kinder gegen die Themen „Steinzeit“ und „Ritter“ durch. Kirsten-Luisa Wegmann bezieht die gewählten Themen der Kinder jedes Jahr ganz selbstverständlich mit in den Abschiedsgottesdienst ein.

Dieser kann in diesem Jahr voraussichtlich wieder in der Kirche stattfinden. 17 Schulkinder verlassen die Einrichtung und 36 Personen können sich laut Hygienekonzept gleichzeitig in der Kirche aufhalten. „Bei schönem Wetter können wir zudem noch in den Sinnesgarten ausweichen“, schlägt Kirsten-Luisa Wegmann vor. Der Sinnesgarten wurde 2014 am Gemeindezentrum der Erlöserkirche eingerichtet. Hören, Schmecken, Sehen, Fühlen, all das kann dort – bei Hitze unter einem Sonnensegel – erlebt werden. Der Garten steht den Kita-Kindern immer offen. Dort treffen sie auch auf Gemeindemitglieder der Erlöserkirche. Und nicht nur da, auch zB Altenkreis und Frauenhilfe bekommen regelmäßig Besuch von den Jüngsten der Gemeinde, die zur Freude der Erwachsenen Lieder singen oder etwas vorführen. Auch die Pflege der Zusammenarbeit mit der Gemeinde ist konzeptionell in der Kita-Arbeit verankert, was Alexandra Gabler und ihrem Team sehr wichtig ist.

Bleiben Kinder und Familien der Gemeinde treu, wenn die Schulzeit beginnt? In diesem Jahr werden nur fünf von siebzehn Schulkindern die nahegelegene GGS Klaraschule besuchen. Die restlichen dreizehn Kinder sind an Schulen im gesamten Stadtgebiet Dinslaken angemeldet. „Die Familien nutzen ihr Recht auf Entscheidung“, sind sich Kirsten-Luisa Wegmann, Alexandra Gabler und Bianca Rogon einig. „Alle Familien wünschen sich für ihre Kinder das Beste und haben ganz unterschiedliche Gründe für die Schulwahl. Wir respektieren das natürlich.“

Die Klaraschule bleibt deshalb beileibe nicht leer, es gibt genug Familien, die sich bewusst für das gute Schulkonzept dort entscheiden. Insofern ist auch Michael Gerstlauer – Jugendleiter in der Erlöserkirche – stets beschäftigt. Er bietet jetzt in der Pandemie „Kindergottesdienste to go“ an sowie in den Ferien Kinderbibeltage, die rege besucht werden. Kirsten-Luisa Wegmann begleitet die Kinder und Jugendlichen bis zum Konfirmandenunterricht. „Immer wieder begegnen mir schon in der Kita interessierte Familien, die ich dann gezielt anspreche. Viele von ihnen bleiben der Gemeindearbeit dann lange treu“, beschreibt Kirsten-Luisa Wegmann weiter ihr Engagement in der Kita.

Derzeit ist die Zusammenarbeit jedoch pandemiebedingt nicht einfach. Aufgrund von Betretungsverboten und Hygienekonzepten in Kita und Kirche sind gegenseitige Besuche nicht selbstverständlich. Doch es zeigt sich Licht am Horizont. Aufgrund fallender Inzidenzen kann man Öffnungsschritte andenken. „Ich hoffe, wir haben die Einschränkungen bald hinter uns“, wünscht sich Alexandra Gabler. „Dann können wir wieder ganz anders aktiv werden, auch was unsere religionspädagogischen Angebote angeht.“ Bianca Rogon nickt zustimmend. Man sieht der engagierten Kraft an, dass sie nur zu gerne wieder zur Normalität zurückkehren würde.

Ebenso Kirsten-Luisa Wegmann: „Ich betreue als Pfarrerin drei vollkommen unterschiedliche Einrichtungen: das Ev. Familienzentrum Brücher Spatzennest und die Ev. Kitas Lohberg und Fröbelstraße. In allen drei Einrichtungen finde ich ein anderes Klientel und eine andere Konzeption vor. Für mich ist und bleibt diese Konstellation spannend. Was allen Kindern gemein ist und was mich immer wieder freut, ist, dass sie so offen und neugierig an alles herangehen. Die Unterschiede, die werden eher von den Erwachsenen gemacht.“

Im Gespräch waren Kirsten-Luisa Wegmann, Alexandra Gabler und Bianca Rogon mit Isabel Uhlenhut, Öffentlichkeitsbeauftragter der Ev. Kinderwelt Dinslaken.

 

Text: Isabel Uhlenhut ©
Fotos: Alexandra Gabler / Ev. Kirchenkreis Dinslaken